fiANNA
werkgemeinschaft

NAMIBIA

13.05.26

Wüste Namib ca. 50km südlich des Vulkankraters Messum. Wir sehen das Kreuz des Südens und gegenüber, im Norde, ganz knapp über dem Horizont, den großen Wagen auf dem Kopf stehend. Vor zwei Stunden bestaunten wir wieder einmal einen Sonnenuntergang in der Wüste. Direkt neben dem Brandberg.

Vor einer Woche sind wir in Namibia eingereist.
Was für ein Unterschied nach über vier Monaten Westafrika. Wie ein Film bei dem plötzlich der Ton ausfällt, alles in Zeitlupe abläuft und nur noch ganz wenige Schauspieler zu sehen sind. Das Hektische, Schrille, Laute, die vielen, allgegenwärtigen Menschen,…. auf einmal weg. Fast wie Zuhause. Alles wirkt aufgeräumt und gepflegt. Viele Geschäfte in denen Alles angeboten wird wie in Europa. Ganz wenig wird an der Straße verkauft. Überhaupt verlagert sich das Leben von der Straße wieder nach drinnen. Der Linksverkehr ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber das absolute Chaos auf der Straße ist vorbei. In Namibia ist man keine Besonderheit, sondern ein Tourist unter vielen. Kein ständiges ansprechen und betteln.
Unser erstes Ziel in Namibia war der Etosha Park. Zwei Tage verbrachten wir dort und sahen unglaublich viele Tiere -  da an Fahrzeuge gewohnt -  aus nächster Nähe. Elefanten, Zebras, Gnus, Kudus, Oryx, Springböcke, Gazellen, Giraffen, Strauße….., ein beeindruckendes Erlebnis!


Dann machten wir uns auf den Weg nach Swakopmund. Wir fuhren Pisten und waren in traumhafter Landschaft alleine unterwegs. An diesem Tag lernten wir, das nicht alle Pisten frei zu befahren sind. Wir standen plötzlich vor einem verschlossenen Gatter und kamen nicht mehr weiter. Für uns hieß das, 60 km in traumhafter Landschaft wieder zurück. Auf diesen Pisten fuhren wir an einigen verlassenen Farmen vorüber. Rechts und links der Piste Zäune. Kilometer um Kilometer. Keine Tiere bis auf eine Ausnahme. Rinder und Schafe auf einer Farm. Manche Farmen versuchen durch Campingplätze und Lodges zu überleben. Andere geben auf. Der Grund ist meistens Wassermangel.


Gegen Abend erreichten wir Swakopmund und trafen Manuela und Ritchie. Nun kann die Reise mit den beiden nach 6 monatiger Verspätung endlich losgehen. Wenn auch nur für knappe drei Wochen. Alois war natürlich auch zugegen. Er hatte die Beiden ja am Flughafen in Windhoek abgeholt. Manuela und Ritchie hatten ihren Toyota von Amsterdam nach Walfis Bay verschifft und beim Abholen festgestellt das einige Dinge entwendet wurden. Vor allem Werkzeuge. Wahrlich kein guter Reisebeginn. Außer dem Besorgen von neuen Dingen, mussten die beiden ja auch erst einmal richtig in Namibia ankommen. Wir hatten 6 Monate gebraucht um in Namibia anzukommen, die Beiden benötigten gerade einmal 10 Std. mit dem Flugzeug. Nach 2 gemeinsamen Tagen auf dem Campingplatz in Swakopmund, brachen wir auf. Swakopmund ist schon etwas eigenartig. Wie eine Filmkulisse für einen Film über die Kolonialzeit des Deutschen Kaiserreiches in Namibia. Viele Deutsche Straßennamen, Deutsche Geschäfte, Häuser aus der Kolonialzeit oder in diesem Stiel neu gebaut. Viele Menschen mit Deutschen Wurzeln sprechen Deutsch. Hier konnten wir Brot und Wurst wie Zuhause kaufen. Ich bekam sogar mein geliebtes Schwarzbrot. Schon etwas crazy!!


Gestern sind wir dann aufgebrochen Richtung Norden. Zunächst am Atlantik entlang bis Cape Cross. Dort besuchten wir die größte Robbenkolonie Afrikas. Abertausende Robben an Land sowie im Wasser. Beeindruckend so etwas live zu erleben. Der Geruch ist allerdings nichts für empfindliche Nasen.


Weiter ging es Richtung Osten in die Wüste Namib.
Wir übernachteten im Vulkankrater Messum. Absolute Stille. Kein Lichtschein am Horizont. Die Milchstraße zum Greifen nahe. Die Kälte der Küste ist milden Temperaturen gewichen. Wir haben lange gegen kurze Hosen und Fleece Jacken gegen T-Shirts getauscht und wollen in der Wüste Namib und der Kalahari nach Norden bis zur Grenze zu Angola fahren. Wenn wir Glück haben sehen wir Wüsten Elefanten und Löwen… wenn wir Glück haben.


1.6.2026

- Wo ist denn der Honig? - Den findest du sowieso nicht! - Die Matratze ist so Hart. - Mach die Klappe zu, sonst haben wir lauter Viecher im Auto. -Haben wir noch Bier? - Ja aber das findest du sowieso nicht! -Der fährt sich echt wie ein Pkw im Gelände…… Manuela und Richie müssen sich noch an ihren neuen Camper gewöhnen. Dies ist die erste Reise mit ihrem kleinen Toyota Wohnmobil. Weniger als die Hälfte Wohnfläche und maximal ein Drittel Stauraum, im Gegensatz zu dem großen Bruder von Bimobil. Aber das wird schon!


Wir fuhren nun ständig Richtung Norden. Durch das Damaraland und Kaokefeld. Mal durch die Namib, mal durch die Kalahari. Die Landschaft erinnerte uns manchmal an die Mongolei und Kasachstan. Sehr überraschend für mich. Ich hatte mir West - und Süd Afrika immer potteben vorgestellt. Stimmt nicht! Es geht rauf und runter. Hier in Namibia sind 1000 Höhenmeter und mehr, schnell erreicht, wenn man sich von der Küste entfernt. Wir fuhren nach Norden, Richtung Äquator und es wurde wieder wärmer. Für uns sehr angenehme Temperaturen. Viele Pässe fuhren wir. Dahinter tat sich immer eine neue Welt auf. Mal Täler, mal große, weite Hochebenen. Mal Stein und Geröll Wüste, mal riesige Flächen mit Steppengras bewachsen, welches im Wind wie Wellen hin und her wogte. Wir sahen viele Herden Springböcke, Zebras, Giraffen und immer wieder Strauße. Was wir nicht sahen, waren Elefanten. Auf mehreren 100 km sahen wir vielleicht eine Handvoll Autos und passierten wenige Himba Dörfer. Irgendwann erreichten wir das nördliche Ende von Namibia.

 
Wir durchfuhren, mal wieder ganz alleine, die weite Marienflussebene, parallel zu den Hartmannsbergen. Grandios!! Hier lieferten sich zwei Strauße ein Wettrennen mit Richie. Bei Tempo 50 km/h überholten sie ihn, wechselten die Pistenseite und verschwanden im weiten Steppengras. Die Grenze zu Namibia bildet im Norden der Kunene River. Auf der anderen Seite liegt Angola. Dort fuhren Clarissa und ich vor circa drei Wochen Richtung Namibia. Wir übernachteten eine Nacht auf einem Community Campside. Dies sind einfache Campingplätze, welche meist von kleinen Dörfern betrieben werden, denen auch der Erlös zufließt.


Unser nächstes Ziel waren die Epupa Fälle am Kunene River, Strom aufwärts. Da es in dieser Region keine Pisten entlang des Flusses gibt, fuhren wir erneut durch das Marienfluss Tal. Dieser Fluss führt schon lange kein Wasser mehr, man kann große Teile in seinem Sandigen Flussbett befahren. Um den Weg zu den Wasserfällen abzukürzen, fuhren wir den Roidroom Pass. Ein Pass, welcher mit LKW, laut einiger Kommentare im Internet, nicht zu befahren ist. Aber der Duro ist ja kein normaler LKW. Wir schafften den Pass und es war auch kein allzu großes Problem. Am nächsten Tag wurde die Piste immer schlechter und die Anstiege immer schwieriger. Die von uns befahrenen Passagen waren weitaus schwieriger als am Roidroom Pass, tags zuvor. Irgendwann beschlossen wir umzudrehen. Wir waren seit Tagen alleine unterwegs, es gab keine Dörfer und Hilfe wäre nur mit großem Aufwand zu besorgen. 

Wir quälten uns noch einige Stunden auf kleinsten Pisten, bis wir irgendwann auf die Haupt Piste zu den Epupa Fällen stießen. Auf diesen Hauptpisten kommt man schon sehr zügig voran. Diese sind sehr breit planiert und je nach Zustand kann man 60 km schnell und mehr fahren. Aber es ist unglaublich staubig. Die Epupa Fälle waren für uns ein besonderes Naturspektakel. Es handelt sich nicht um einen einzigen großen, breiten Wasserfall, sondern um viele kleine, im weiten Fluss Tal, verzweigte Wasserfälle. Die meisten befinden sich auf Seiten Angolas und sind deshalb von Namibia aus besonders gut zu sehen. Sehr angenehm, auch hier, dass sehr wenige Touristen vor Ort waren. Keine Massenwanderungen entlang der Wasserfälle! Zwei Nächte verbrachten wir auf einem Campground an den Wasserfällen, und dann waren wir wieder alleine. Richie und Manuela fuhren zurück nach Windhuk. Sie werden von dort aus mit einer ihrer Töchter und deren Freund zwei Wochen durch Namibia und Botswana reisen.



Unsere Fahrt ging weiter Richtung Osten, in den Caprivi Streifen. Ein ca. 500 km langer, schmaler Landkorridor, zwischen Angola und Botsuana, welcher Namibia einen Zugang zum Sambesi River ermöglicht. Dieser Korridor geht auf Verhandlungen zwischen dem Reichskanzler Leo von Caprivi und den Engländern zu Zeiten des Kolonialismus zurück. Zwei Tage verbrachten wir auf einem Camp am Okavango River. Der Okavango ist hier der Grenzfluss zwischen Angola und Namibia. 

Zu unserer Überraschung ist der Caprivi Streifen sehr dicht besiedelt. Ein Dorf nach dem andern reiht sich aneinander. Die Dörfer mit ihren Rundtüten und Holzgralen wirken auf uns wie eine Filmkulisse. Alle scheinen wie gerade neu gebaut und der ganze Boden ist mit hellem weißem Sand abgestreut. Sträucher und Hecken sind neu gepflanzt, und manchmal gibt es sogar bewässerte Rasenflächen. Die Dörfer sind sehr spärlich bewohnt und es hat den Anschein, als wenn dies Ganze eine riesige Touristenattraktion werden soll.


Vor zwei Tagen durch fuhren wir ein kleines Wildpark Gelände und hatten tolle und sehr nahe Wildsichtungen. Als erstes stießen wir auf eine große Wasserbüffelherde. Im Busch und Baumbestand ist eine Herdengröße sehr schlecht zu überblicken, weil man nie alle Tiere auf einmal sieht. Es waren mindestens 50, vielleicht auch 100 Büffel oder mehr.
Kurz danach verschwand eine große Zebraherde im Busch. Und plötzlich standen wir vor einer Elefantenfamilie. 20 m von uns entfernt. Ein großer Bulle, ein junger Elefant und die Mutter. Beide Seiten waren sehr überrascht. Der Elefantenbulle fing sich zuerst und tat seinen Job. Er breitete die Ohren aus und kam auf uns zugelaufen. Andy hat mir mal erklärt. In solch einer Situation müsste man am besten aus dem Sichtfeld des Elefanten verschwinden. Also fuhr ich rückwärts, um in der buschbewachsenen Piste zu verschwinden. Kam aber nicht weit, da ich mich nach 10 m in den Büschen festgefahren hatte. War alles ein bisschen eng für den Duro. Wir sahen den Elefanten nicht mehr, und er uns auch nicht. Ich hatte schon die Befürchtung, der Bulle würde jeden Moment um die Büsche biegen und seinen Rüssel an den Duro legen. Aber 10 m vor uns überquerte die Elefantenfamilie die Piste, der Bulle schaute noch etwas mürrisch, dann zogen sie 5 m an unserer linken Seite nur getrennt von einer Buschreihe an uns vorüber. Sack und Asche nun habe ich Respekt vor diesen Tieren! Etwas später, auf einer Waldpiste hatten sich dann mehrere Tiere für uns versammelt. Eine Affenbande eine kleine Kudu Herde und Springböcke. Alle tummelten sich durcheinander. Kamen bis auf 5 m an uns heran, ohne sich scheinbar an uns zu stören. Dann hatten wir die zweite, plötzliche, Elefanten Begegnung. Links von uns verschwand gerade eine große Herde im Wald und rechts stand ein großer Bulle, keine 10 m von uns entfernt. Doch diesmal legte der Elefant den Rückwärtsgang ein und bewegte sich, uns immer beobachtend, auf sichere Distanz von uns. Bei dieser Begegnung hatte ich mit meinen Ohren gewackelt und es hat gewirkt. Wahrscheinlich lag es aber daran, dass der Bulle nichts zu verteidigen hatte. Auf jeden Fall war es gut so! Des weiteren sahen wir noch verschiedene Antilopen und einen einzelnen joggenden Elefantenbullen. Während der ganzen Zeit begegnete uns kein einziges Auto. Was will man mehr!


Gestern überquerten wir dann die Grenze zu Botsuana und wir stehen nun auf einem Camp am Chobe River etwas außerhalb des Chobe Nationalparks. Diesen werden wir in den nächsten Tagen bereisen und weiter zum Okavango Delta fahren. 

Vor ein paar Minuten rief Alois an, welcher schon in Südafrika ist. Keine Ahnung, was ihn da wieder geritten hat? Auf jeden Fall ist der Bayer jetzt in Südafrika. Momentan hat er Probleme mit einem ausgeschlagen  Kreuzgelenk der Kardanwelle, welche in zwei Tagen aber wieder gerichtet ist. Danach will er dann die Ostküste Südafrikas Richtung Norden fahren und uns irgendwo/irgendwann wieder treffen. Vielleicht hilft es ja, dass Clarissa ihm gestern geschrieben hat, dass wir für ihn noch angolanisches Bier aufbewahren. Das Gute, CUCA Cerveja!!

 
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