TANSANIA
12.09.2026
Wir stehen auf einem wunderschönen, kleinen Camp am Victoriasee, in der Nähe von Mwanza.
Auf dem letzten Camp in Sambia verbrachten wir drei Tage und bereiteten uns auf Tansania vor. Wir warteten vergeblich auf das Eintreffen unserer e Visa. Sue und Kelvin, die beiden äußerst netten Besitzer des Camps, meinten, wir könnten ein Visum direkt an der Grenze bekommen. Damit uns nicht noch einmal solch eine Nachlässigkeit, wie in Sambia, mit der fehlenden Aufschrift am Heck des Duros passiert (LHD), schauten wir uns auf Clarissas Geheiß - in Vorbereitung auf Tansania - die Verfilmung der Kurzgeschichte von Ernest Hemingway: Schnee am Kilimandscharo an. Da saßen wir nun alleine im Buschkamp im Dunkeln und sahen Gregory Peck dabei zu, wie er den Sinn des Lebens sucht. An seiner Seite Susan Hayward, Ava Gardner und Hildegard Knef. Möglich war das nur, weil es auf dem Camp eine stabile, schnelle Starlink Internetverbindung gibt.
So brachen wir dann nach drei Tagen in dem wirklich schönen Buschkamp, gut vorbereitet nach Tansania auf. Mal wieder ein ganz kleiner Grenzübergang, mal wieder waren wir die einzigen Touristen und das einzige Fahrzeug. Sowohl in Sambia wie in Tansania, sehr freundliche Grenzbeamtinnen und Beamte. Auf tansanischer Seite erzählte Clarissa, dass sie e Visa beantragt, diese auch bezahlt, aber keine erhalten habe. Anstatt uns einfach zwei neue Visa auszustellen und das Geld noch einmal zu kassieren, schaute der Grenzbeamte im Internet nach, telefonierte und recherchierte. Mein bewilligtes e Visa fand er in den Tiefen des Internets, aber Clarissas blieb verschollen. So benötigten wir nur ein neues Visum. Nachdem alles erledigt war, entschuldigte sich der Grenzbeamte für die Unannehmlichkeiten und meinte nur: That‘s Afrika.
Dann waren wir in Tansania. Für mich ein besonderer Moment. In meiner Vorstellung war Tansania, ebenso wie Kenia einfach Afrika. Oder, ohne Tansania/Kenia ist Afrika nicht Afrika. Diese Vorstellung, bestimmt geprägt durch Bernhard Grzimek und seine Tierfilme, gesehen in meiner Jugendzeit. Außerdem durch Karen Blixen’s Buch und den Film: Jenseits von Afrika. Nicht zu vergessen, die Fernsehserie Daktari. Und dann der Kilimandscharo. Gelegen in Tansania und Kenia - für mich der Mittelpunkt Afrikas! Auch wenn wir den Kilimandscharo noch nicht sehen können, so haben wir einen kleinen Vorgeschmack in Form der gleichnamigen Biersorte.
Acht Tage durchquerten wir Tansania von Süd-West nach Norden zum Victoria See. Ca. 900 km teils auf Asphalt, teils auf unglaublich staubigen Pisten. Wir übernachteten immer im Busch. Oft in alten Ton - oder Kiesgruben, welche zum Bau oder Instant halten der Pisten genutzt werden. Wobei, Instanthalten….?? Oft die einzige Möglichkeit einmal mind. 100m von der Hauptpiste wegzukommen einigermaßen staubfrei. Wirklich staubfrei in Afrika… geht sowieso nicht.
Unsere Fahrt führte auch entlang des Katavi Nationalparks. Auf dieser Piste überquerten wir den Katuma River. Dort bot sich uns ein unglaublicher Anblick. Wir hielten an und gingen zu Fuß auf die Brücke zurück. Im Katuma River badeten Hunderte Flusspferde. Clarissa meinte im ersten Moment, das wären alles Felsen. Sofort drängte sich die Filmszene: Gregory Peck und Ava Gardner, mit zwei einheimischen im Einbaum, inmitten einer großen Flusspferd Herde in mein Bewusstsein. Schnee am Kilimandscharo…. Wäre Alois noch dabei gewesen, hätte er sofort Flusspferd reiten als Aktivität in die Runde geworfen. Ich muss gestehen, mit dem Schlitten und vier Flusspferden davor durch den Busch zu sausen wäre auch nicht schlecht gewesen. Aber außer den Flusspferden gab es ebenso viele Krokodile im und außerhalb des Wassers zu sehen. Mit einem etwas mulmigen Gefühl und erhöhtem Pulsschlag, zumindest bei mir, betrachteten wir das Geschehen ca. 3m unter uns. Zum Teil riesige Krokodile dösten in der Sonne oder schwammen, immer auf Abstand bedacht, bei den Flusspferden im Wasser. An manchen Stellen lagen die Krokodile so dicht beisammen das man darüber hätte laufen können. Wieder einmal eine einzigartige Kulisse für uns alleine.
Vor zwei Tagen übernachteten wir seid Manuela’s und Ritchie‘s Abfahrt das erste Mal nicht alleine auf einem Übernachtungsplatz. Es war schon Dunkel da fuhr ein Landrover mit Aufstelldach vor. Eine junge Französin stieg aus und fragte ob wir was dagegen hätten, wenn sie sich dazustellt. Natürlich nicht! Die junge Französische Dame heißt Olivia, ist Journalistin und bereist, mit Pausen, seit 5 Jahren Afrika. Alleine! Am nächsten Morgen war ihr rechter Hinterreifen platt. Es stellte sich heraus, dass eine geschweißte Stelle an ihrer Felge undicht war. Also auf zum nächsten Schweißer, um die Naht zu überarbeiten. Da wir die gleiche Fahrtrichtung hatten, fuhren wir hinterher. Im nächsten etwas größeren Dorf hielten wir an. Olivia, die schon ausgestiegen war, wurde sofort von einer Horde Jugendlicher und junger Männer umbringt. Sie erklärte, dass ihr Reifen Luft verliert das Problem aber die Felge wäre. Sie bräuchte einen Schweißer. Ich gesellte mich dazu und merkte, dass die Männer gar nicht richtig auf das hörten was Olivia sagte. Ich fragte nun auch nach einem Schweißer, um die Felge zu reparieren. Das Problem mit dem Reifen war zunächst mal gar nicht wichtig. Jetzt waren erst mal Selfies und Gruppenfotos angesagt. Alle redeten um, diskutierten Wild durcheinander, und es wurde ausschließlich Swahili gesprochen, der Haupt - und Amtssprache in Tansania. Hier spricht nicht jeder englisch. Clarissa beobachtete dieses Treiben amüsiert aus dem Duro heraus. Als dann alle Fotos gemacht waren und wenigstens ein paar Männer zu hörten, wurde Olivia dann zu einem Schweißer gebracht. Wir blieben stehen und erledigten noch ein paar Dinge. Circa eine halbe Stunde später fuhren wir dann zu der Schlosserei wo Olivia stand. Olivia und ihr Auto waren umringt von vielen jungen Männern. Getan hatte sich nichts und Olivia sah ziemlich ratlos aus. Es stellte sich heraus, dass keiner die Schrauben der Felge lösen konnte. Ich hole eine Verlängerung aus dem Doro und löse die Schrauben. Sofort stürzen sich alle auf den Reifen und so viel Arbeit wie Hände gab es gar nicht. Als der Reifen abmontiert war, erklärte ich noch einmal, dass das Problem die Schweißnaht an der Felge sei und nicht der Mantel selbst. Es wurde Spucke und Wasser auf die Schweißnaht getupft und als auch der letzte Fachmann die aufsteigenden Luftbläschen gesehen hatte, wurde die Diagnose gestellt, dass die Schweißnaht undicht sei. Sofort fing einer mit der Ventilkappe an den Lack von der Schweißnaht zu kratzen, um auf afrikanische Art die Reparatur vorzubereiten. Ich ging zum Duro und holte meine kleine, seit der Mongolei Reise vielfach bewährte Akku Flex aus der Staubox. Nachdem die alte Schweißnaht sauber verputzt war, wurden Felge und Reifen zweimal durchs Dorf transportiert. Zu Reifenbude um den Mantel ab zu montieren, dann ans andere Ende des Dorfes zu einem anderen Schweißer, warum auch immer. Wieder zurück zur Reifenbude und nach erfolgtem Dichtigkeit Test zurück zum Auto. Olivia erzählte währenddessen Clarissa, dass diese Situationen die einzigen Momente auf ihren Reisen wären, wo sie echt gestresst ist. So viele Männer um eine Frau, alle machen irgendeine blöde Bemerkung und bei technischen Dingen hört keiner zu, weil Frauen sowieso keine Ahnung haben. Irgendwann war der Reifen dann wieder montiert, der Schweißer hat, wie ich finde gute Arbeit geleistet und die Schweißnaht ist auch dicht. Olivia hat den geforderten Preis noch etwas nach unten verhandelt, und dann konnte es weitergehen. Wie sich während der Reparatur herausgestellt hatte, fuhren wir beide den gleichen Campingplatz am Victoria See an. So trafen wir uns am späten Nachmittag dort wieder. Außer uns stand noch ein deutsches Ehepaar mit einem Mercedes Sprinter dort. Die beiden sind mit Unterbrechungen seit drei Jahren unterwegs. Zwei Jahre davon in Afrika. Vor 2 Stunden sind die beiden abgefahren. Sie wollen noch nach Ruanda und Uganda, bevor die Regenzeit beginnt. Sportliches Unterfangen! Wir bleiben auf jeden Fall heute noch hier fahren vielleicht morgen weiter Richtung Süden. Wir fahren der Regenzeit davon.
21.9.2026
Die nächsten 4 Tage rumpelten wir über Pisten durch die tansanische Hochland - Steppe und ließen uns von Schlaglöchern und Wellblech so richtig durchmassieren. Wieder einmal eine richtig schöne Wellness Piste. Die Landschaften Tansanias, welche wir bisher bereisten sind stark agrarwirtschaftlich geprägt. Zum Teil dient dies der Selbstversorgung, ist aber auch ein starker Wirtschaftsfaktor. 75% aller Erwerbstätigen arbeiten in der Landwirtschaft, welche 30% des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. In Landwirtschaftlich genutzten Gebieten ist es oft sehr schwierig einen Übernachtungsplatz zu finden, zumindest einen halbwegs ungestörten. An einem Abend waren wir froh in der Dämmerung ein kleines Wäldchen gefunden zu haben und parkten dort für die Nachtruhe ein. Es dauerte nicht lange, da standen 3 Männer vorm Duro. Sie zeigten mir einen Text auf einem Handy. Keiner sprach englisch und der Text war auf Swahili. Dank Google Übersetzer (der kann sogar Swahili) war schnell klar das wir auf Privatgelände einer Firma stehen. Die drei Herren waren von der Security und wir sollten weiterfahren. Inzwischen war es Dunkel und ich hatte wirklich keine Lust in der Dunkelheit umher zu irren. Einer der Männer telefonierte und gab mir sein Telefon in die Hand. Ich sprach mit dem Geschäftsführer der Firma - erklärte ihm das wir Touristen auf der Durchreise wären, hier übernachten wollten und morgen Früh weiterreisen wollten. „Ich komme vorbei, dann können wir das vor Ort besprechen“, so die Antwort. 20 Minuten später war der eschäftsführer, ein sehr sympathischer junger Mann namens Marco bei uns im Duro. Er erzählte uns, dass er Geschäftsführer einer Firma ist welche Biobaumwolle produziert. Der Mutterkonzern wäre eine Schweizer Firma. Natürlich könnten wir hier übernachten, könnten aber auch auf dem Gelände seiner Firma stehen. Wir bedankten uns bei Marco und blieben im Wäldchen. Obwohl wir von der Piste aus zu sehen waren bekamen wir weder am Abend noch am nächsten Morgen Besuch. Die Einheimischen respektierten wohl das Privatgelände - im Gegensatz zu uns. Der Schweizer Mutterkonzern ist die Firma Remei und in Tansania zur Zeit der größte Bio Baumwolle Produzent in Afrika.
Nach drei weiteren Pistentagen und einem Umweg von mehr als 100 km, bedingt durch eine weggeschwemmte Brücke, erreichten wir die Foresight Eco Lodge and Campsite, unsere Bleibe für die nächsten vier Tage.
Gelegen auf ca. 1600m Höhe mit traumhaftem Rundumblick am Fuße des Ngorongoro Kraters, hatten wir hier sehr erholsame Tage. Da wir den Serengeti Nationalpark schon links liegen gelassen hatten, war der Besuch des Ngorongoro Kraters doch Pflicht. Also buchten wir eine Tour in den Krater für schlappe 800 Dollar. Incl. Verpflegung. Es wurde uns sogar Bier als Erfrischungsgetränk für die Safari angeboten. Doch da wir dieses Erlebnis ungetrübt und die Tierwelt nicht doppelt sehen wollten, einigten wir uns auf Wasser. Tansania ist das Land mit den höchsten Eintrittspreisen für Nationalparks in Afrika. Deutlich höher als in allen von uns bereisten Ländern vorher. Aber einmal im Leben im Ngorongoro Krater……Leider waren wir nicht ganz alleine auf dem Grunde des Kraters. Es waren nicht die unglaublich vielen Tiere, welche die Freude etwas trübte. Wir sahen 11 Löwen, 12 Nashörner, Hyänen, Schakale, Flamingos und viele andere Vögel. Beindruckend auch die vielen, vielen Herden mit Gnus, Zebras und Gazellen. Störend, oder zumindest gewöhnungsbedürftig, waren die vielen Autos, welche sich manchmal zu Dutzenden um gesichtete Tiere scharten. Natürlich waren auch wir mit unserem Auto und Dixon unserem grandiosen Guide Teil dieser Blechlawine. Gegen dies hier herrschte im Etosha National Park, Chobe National Park und im Okawango Delta gähnende Leere. Bei der ersten Löwensichtung zählte ich über 50 Fahrzeuge, welche in Dreierreihen um die beste Sicht auf die Löwen konkurrierten. Da die Löwen umherzogen, setzte sich die Blechlawine ständig aufs Neue in Bewegung. Permanent wurden Motore abgeschaltet und wieder gestartet. Später bei 5 Nashörnern waren es bestimmt 100 Fahrzeuge. Ich kam mir vor wie im Stau rund um Köln. Auch später bei der Ausfahrt am Gate, gab es Stau. Ich fragte Dixon wie viele Autos seiner Meinung nach im Krater wären. 500-600. So seine Schätzung. In der Hochsaison Juni bis August sind es bis zu 1500 am Tag. Bisher gibt es keine Limitierung!
Trotz allem, es war ein Erlebnis. All die Tiere… im Krater nur Steppe bis auf einen ganz kleinen Teil Wald. Ringsherum an den Kraterwänden, sowohl innen wie außen, Regenwald. Das aus dem Regenwald ins Innere des Kraters fließende Wasser tränkt die Tiere und speist einen großen See. Und dann das Wetterphänomen. Dixon hatte uns bei der Anfahrt zum Krater schon erzählt, dass das Wetter außerhalb und innerhalb des Kraters oft sehr unterschiedlich sei. Morgens bei der Anfahrt zum Krater war es bewölkt und es fing an zu Regnen. Auf dem Kraterrand dann Nebel. Keinen Blick in den Krater. Kurz vor der Abfahrt in den Krater riss irgendwo die Wolkendecke ein wenig auf und ein Bündel Sonnenstrahlen beleuchtete einen Teil des Kraterbodens. Mystisch!! Unten Angekommen riss die Wolkendecke über dem Krater auf und es schien den ganzen Tag die Sonne. Rings um den Kraterrand stauten sich die Wolken. Der Himmel über dem Krater war blau. Ab und zu schob sich eine abgeregnete weiße Wolke über den Kraterrand löste sich aber schnell auf und verschwand. Als wir am Nachmittag den Krater verließen, fuhren wir wieder in eine bewölkte Welt. Insgeheim hatte ich ja gehofft hier auch Tarzan zu treffen. Regenwald, Lianen ohne Ende, Steppe und Tausende von Tieren. Schade! Aber noch sind wir ja in Afrika. Noch…





































