fiANNA
werkgemeinschaft

 

14.07.2023
In Armenien angekommen!! Wir stehen unterhalb des Klosters Haghpat aus dem 7 Jh. Diesmal auf einem Campingplatz. Gestern hatten wir die Georgisch-Armenische Grenze bei Sadakhlo passiert. Alles ging recht zügig und problemlos. Ein bisschen aufregend war es trotzdem, zumal wir innerhalb des Schengener Raumes ja gar keine Grenzkontrollen mehr kennen. Clarissa musste diesmal sowohl die Georgische wie die Armenische Grenze zu Fuß passieren. Es gibt dafür extra Fußgängerterminals. Auf Armenischer Seite ist die offizielle Einfuhr des Fahrzeuges, sowie der Abschluss einer KFZ - Versicherung recht zeitaufwändig. Sogar das Geldwechseln und kaufen einer Sim Karte dauert recht lange. Auch hierfür ist der Reisepass von Nöten. Es werden Formulare ausgefüllt und sogar der Pass kopiert. 

Heute sind wir zum Kloster hinauf gelaufen. Die Architektur dieser Klosteranlage gegenüber der Georgischen ist von außen schlichter und geradlinieger. Was sich auch im Inneren fortsetzt. Hier in Armenien dürfen die Gläubigen während der Messen wieder sitzen. Die Kirchen sind mit Bänken ausgestattet. Mich persönlich spricht diese Formgebung innen wie aussen mehr an, als die Georgische.

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Aber bevor wir nun ganz in Armenien verweilen noch kurz  ein Ereignis der letzten Nacht in Georgien.
Wir hatten unser Nachtlager an einem kleinen Stausee nicht weit von Marneuli, an der Georgisch - Aserbaidschanisch - Armenischen Grenze aufgeschlagen. Wie sich herausstellte war dies auch das Nachtlager einer Büffelherde samt Ihres Aserdaidschanischen Hirten, hoch zu Ross. Bei seinem Einritt mit der Büffelherde Fotografierte ich ihn und er winkte mir freundlich zu. Nachdem er die Büffel in ihr Nachtlager getrieben und versorgt hatte kam er mit seinem Pferd zu uns herrüber. Gestenreich fragte er nach einem Hammer und pflockte sein Pferd an. Anschließend stellte er sich an unseren Tisch und wartete. Ich trank gerade die allerletzte Flasche Moselriesling und bot Ihm davon an. Sagte aber dazu das es Alkohol sei. War offensichtlich kein Problem. Ich goß Ihm ein Glas ein und er leerte es formvollendet ohne abzusetzen. Glas in der rechten Hand. Kleiner- und Ringfinger abgespreizt. Die linke Hand in die Hüfte gestemmt. Und schwupp war er weg, mein Moselriesling welchen ich heute Abend zum Abschied aus Georgien genießen wollte. Dann sagte er irgendwas von Ekmek. Das heißt auf Türkisch Brot. Ich fragte ihn ob er Aserbaidschaner sei, was er strahlend bejahte. OK dann will er jetzt Brot. Ich holte Brot und Käse. Derweil war die Flasche Riesling zu Ihm rübergewandert. Wahrscheinlich weil sein Glas schon leer war und meines vielleicht zu einem drittel. Für den Rest des Abends war unser Büffelhirte nun der Mundschenk. Die Mengenverteilung beim Einschenken, logischerweise ein Drittel Glas für mich, ein ganzes für Ihn. Clarissa trank Wasser und so war der Wein an diesem Abend Männersache. Nach dem nächsten Glas sprang er auf und lief zu seinem Lager. Er kam zurück mit Brot, panierten-gegrillten Fischstücken und einer Soße zum tunken. Clarissa und ich hatten schon zu Abend gegessen aber aus Freundlichkeit aßen wir noch etwas mit. Freund Büffelhirte legte los mit Essen und im nu war seine Tischhälfte übersäht mit Brotkrümel und Fischresten welche er ab und zu mit einer schwungvollen Bewegung vom Tisch streifte und so das ganze Fett gleichmäßig auf der Tischplatte verteilte. Zwischendurch, die Flasche Riesling stand ohne Riesling auf dem Tisch, war es unausweichlich unserem Mundschenk zur Erfüllung seiner Pflicht noch eine weitere Flasche Wein bereitzustellen. Diesmal aus ermangelung eines Moselriesling, einen Georgischen Wein. Zu meinem Leidwesen stellte sich der so oft bewährte Google Übersetzter als nutzlos heraus da unser Freund nicht lesen konnte und Google mit seinem Asebaidschanisch überhaupt nichts anfangen konnte. Aufgrund seiner laute beim Essen und Trinken verstanden wir auch so das es ihm schmeckte er sich wohl fühlte. Er zeigte uns noch einige Fotos von seiner Arbeit. Ich glaube er ist Berufshirte. Einmal war er mit einer Herde Kühe zu sehen, ein andermal mit einer Herde Pferde. Er saß immer auf seinem weißen Pferd welches neben unserem Duro graste. Aufgrund seiner fettigen Finger wollte das Display seines Smartphones beim wischen natürlich nicht so wie unser Hirte, was ihn veranlasste solange mit seinem Zeigefinger auf dem Display herumzutrommeln bis sich etwas auf diesem veränderte. Ich war  fasziniert ob dieser Ungezwungenheit und Selbstverständlichkeit dieses Menschen. Clarissa war genervt. Ein benehmen wie ein unerzogener Jugendlicher, meinte sie am nächsten Morgen. Nachdem die zweite Flasche Wein geleert war, natürlich nach dem Eindrittel zu Dreidrittel Verteilungsschlüssel gab ich unserem Gast zu verstehen das es Zeit zum Schlafen wäre. Sofort sprang dieser auf und suchte seine Sachen zusammen.  Bevor er zu seinem Lager ging, legte er seinen Sattel und die Satteldecke direkt vor den Duro ?????
Am nächsten Morgen, wir lagen noch im Bett, hörte ich Ihn draußen so vor sich hin reden. Ob er mit seinem Pferd sprach, mit den Büffeln welche schon um den Duro grasten, oder einfach nur mit sich selbst, keine Ahnung. Außer über sein Smartphone kann dieser Hirte in den Monaten der Weidesaison nicht viele Soziale Kontakte haben. Ich glaube ich wäre kein guter Hirte………
Wir frühstückten dann in aller Ruhe, packten zusammen und wollten losfahren. Wer tauchte dort auf der anderen Seite des Stausees mit seinen Büffeln auf. Genau :Unser unerzogener Jugendlicher. Kurzerhand überließ er die Büffel sich selbst und galoppierte um den Stausee herum. Nur für eine Verabschiedung, ein bisschen so wie wenn sich Winnetou und Old Shatterhand auf wiedersehen sagen………..

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18.07.2023
Nach der Besichtigung des Klosters Haghpat blieben wir noch einen Tag auf dem schönen Campingplatz. Ich montierte die Räder der beiden hinteren Achsen um. D.h. 2 auf 3 und 3 auf 2. Physikalisch bedingt unterliegt bei einem 3-Achser die  Bereifung der hintersten Achse einem höheren Verschleiß als die beiden anderen. Um dies auszugleichen, tauscht man die Räder halt mal aus.

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Am 16.07.2023 ging es dann weiter Richtung Süden. Da wir weiter auf der Klösterstraße fuhren, schauten wir uns noch das Kloster  Sanahin und  die Kathedrale von Odzun an. Für mich , wunderbare Bauten. Wir waren  an einem Sonntag unterwegs und entsprechend viele Menschen mit uns. In Sanahin wurde auf dem Klostergelände noch ein Fest gefeiert. Kinder boten Volkstänze dar, es gab Gedichtvorträge und Lifemusik. Die Darbietungen, zumindest für unsere Ohren, leider wieder viel zu laut über Verstärker übertragen. Aber vielleicht liegt es ja nur an unserem Alter.
Was solch ein Volksfest auf einem Klostergelände aber unmöglich macht, ist diesen Ort zu erleben oder zu erspüren. Ein Kloster ist einfach ein Ort der Stille und Besinnung. Ich glaube das merkt jeder Besucher der sich nur ansatzweise darauf einlässt.

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Wir fuhren weiter Richtung Süden mit dem Ziel Sevan- See. Dieser See ist der größte See Armeniens, liegt auf  1900 m Höhe und ist somit einer der höchstgelegenen Bergseen weltweit. Den neuen Tunnel auf dem Sevan-Pass ließen wir geradeaus liegen und bogen links ab, um auf der alten Passstraße weiterzufahren. Dies bescherte uns, außer einer einsamen Fahrt ohne Gegenverkehr einen Übernachtungsplatz in den Bergen mit Blick hinunter auf den Sevan-See.


An diesem stehen wir nun, am Nord-Ost Ufer, den zweiten Tag. Am Rande eines Föhrenwäldchens. Ganz alleine, ganz schön und ganz ruhig. Kein Mensch, kein Auto. Heute Morgen und Nachmittag ein Fischerboot, im laufe des Tages zweimal eine Kuhherde, welche ohne Hirte an unserem Stellplatz vorüberzog. Begleitet von so vielen Schwalben, das es mich an: „Die Vögel“ von Hitchcock erinnert hat. Heute Abend ist es windstill und ausser vereinzeltem Froschgequake und dem Kühlschrank im Duro ist wirklich nichts zu hören.
 

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20.07.2023
Gestern Morgen verließen wir unsere einsame Idylle um Neues zu entdecken. Wir fuhren entlang des Ost Ufers. Diese Seite des Sees ist ziemlich einsam. Vielleicht wegen der Nähe zu, und des nicht enden wollenden Konfliktes mit Aserbaidschan. Am südlichen Ende des Sevan-See`s, in der Stadt Martuni, fuhren wir weiter Richtung Süden. Das Westufer des Sevan Sees wollen wir auf unserem Rückweg aus dem Süden bereisen. Hinter Martuni steigt die Straße auf 2400 m an und die Fahrt ging weiter über eine fantastische Hochebene. Wir hielten an, um dieses Panorama zu betrachten. Ich stieg aus, und….. stand auf der Seidenstraße. Also auf einem Karawanenweg welcher zu Seidenstraße gehörte und von Persien kam. Diese Straße ist heute noch die Hauptroute zum Iran.  Es gibt ja nicht die Seidenstraße. Die Routen wechselten im Laufe der vielen Jahrhunderte, Kriegs- oder Naturbedingt immer mal wieder. Der Name Seidenstraße ist  auch erst im 19. Jhd. von einem Deutschen Geografen erfunden worden. Also kein wirklich  historischer Name.
Ich stand also auf der Seidenstraße und freute mich über die Straße, während Clarissa sich über die Seidenblumen freute.  Kurz danach ,wir wollten gerade weiterfahren, hielt einer an der, sich auch freute. Es war ein Armenier welcher mit seiner Frau und Kindern seit 20 Jahren in Beckum- Oelde lebt und zu Urlaub in seiner Heimat war. Er freute sich Deutsche zu treffen, welche seine Heimat besuchen. Natürlich wollte er wissen ob uns Armenien gefällt. Er erzählte kurz von seiner Kindheit, das er viel Zeit auf dieser Hochebene verbracht hat und sich hier immer noch wie zu Hause fühlt….Zum Schluß gab er uns noch einen Tip. Nach dieser Hochebene, gerade wenn die Straße abwärts führt, steht ein sehr altes Gebäude. Er weiß nicht was für ein Gebäude aber wir sollten uns das ansehen. Mit meiner Belehrung das sei eine Karawanserei von 13 Hundert noch was, konnte er nicht viel anfangen. Auf jeden Fall versicherte ich ihm das wir uns dieses Gebäude ansehen werden.

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An der Karawanserei angekommen stand nur ein Auto dort. Wir parkten, und stiegen aus, um uns diese Mittelalterliche Raststädte anzuschauen. Clarissa war schon in der Karawanserei ich noch draußen. Eine Armenische Familie welche zu dem Auto gehörte und bei unserem Eintreffen die Karawanserei verließ hatte indes einen Picknicktisch auf dem Parkplatz gedeckt. Ich wollte gerade  in die Karawanserei, da rief mir der Mann hinterher: One Minute!! Er kam auf mich zu, nahm mich bei der Hand und zog mich Richtung Tisch. Eine eindeutige Einladung zum Essen. Ich gab Ihm zu verstehen das wir uns die Karawanserei anschauen und dann zu Ihnen kämen. Nach beendeter Besichtigung gingen wir zu Ihrem gedeckten Tisch. Alle sprangen auf und begrüßten uns. Sofort wurde Fladenbrot und Lavasch mit Käse und Kräutern belegt und uns angeboten. Der Sohn teilte uns auf Englisch mit, daß sich alle freuen das wir Ihr Land besuchen und wünschte uns eine schöne Zeit. Natürlich stellte sich jeder mit seinem Namen vor und natürlich ( Schäm ) habe ich die Namen wieder vergessen. Die Familie wohnt in Yerevan macht einen Kurzausflug und ist wieder auf dem Weg nach Hause. Wir erklärten wo wir bisher waren und was wir uns noch ansehen wollen. Die Frau ging zwischendurch immer wieder ans Auto um Clarissa neue Geschenke zu überreichen. Eigene Kirschmarmelade, eigene Wallnüsse, ein Strauß frische Kräuter, Pfirsiche aus dem eigenen Garten und einen Strauß Blumen. Ich holte ein Glas Honig aus dem Duro. Honig von der Mosel. Den kauft meine Mutter immer für mich. Ist direkt vom Imker. Ich übergab der Familie den Honig, worauf der Mann sein Smartphone zückte und mir Fotos von seinen eigenen Bienenvölkern zeigte……………naja, immerhin Honig aus Germany.
In Windeseile wurde alles ins Auto geladen. Man musste heute noch nach Yerevan. Ein paar Erinnerungsfotos, herzliche Verabschiedung und weg waren sie.
Was blieb war wieder einmal diese Selbstverständlichkeit solch eines Momentes. Keine Inszenierung, keine Erwartungen…
Am Abend waren wir die einzigen Übernachtungsgäste dieser Karawanserei.
Wieviele Menschen und Tiere wohl in den ca. 900 Jahren ihres bestehens hier halt gemacht und übernachtet haben???
Das Bauwerk  selbst und die Lage, ein Erlebnis.
Immer wieder merken wir das unsere Photographische Ausrüstung die Realität, vor allem der grandiosen Landschaften nicht abbilden kann. So bleiben diese Bilder einzig in unserer Erinnerung.
Heute Morgen vor der Karawanserei. Wir hatten kein Frühstück vorbestellt, also mussten wir dieses selbst zubereiten. Während des Frühstücks bei offener Tür, kam ein Armenier um die Ecke, fragte: Deutsch ? und hieß uns in seinem Land, ebenfalls auf Deutsch, willkommen. Danach erklärte er uns das dieses Grundstück ihm gehöre und er seinen Minimarket aufbauen wolle. Dummerweise standen wir aber mitten in seinem Minimarket. Also mussten wir unser Frühstück unterbrechen und 10m zurücksetzen. Nach Beendigung des Frühstücks besuchten wir dann den Minimarket.  Zuerst gab es einen armenischen Kaffee mit Süßigkeiten. Der Eigentümer des Grundstückes und des Minimarktes heißt Armen, den Namen kann sogar ich mir merken. Armen war 1982 in Dresden als Soldat der Sowietarme stationiert. Daher seine immer noch vorhandenen Deutschkenntnisse. Sein Minimarket bestand aus einem Lada. Bj. 1972 , welchen er von seinem Vater übernommen hat. Die Waren werden auf der Motorhaube und auf einem Tisch neben dem Lada präsentiert. Am Dachgepäckträger ist eine Markise befestigt, um ein schattiges  Shoppingerlebniss zu gewährleisten. Die Waren, bis auf ein paar Souvenirs alles Eigenprodukte.
Bei der Herstellung selbiger ist Armen hauptsächlich für das Hochprozentige und seine Frau für den Rest zuständig. Als da wären, Marmelade, Kräutertee, Trockenfrüchte, Sirup, und diverse Süssigkeiten.
Armen ist für Schnäpse, Weine und Liköre zuständig.
Sein Lada Minimarket  war schon im MDR bei einer Reise Doku zu sehen. Dieses Video zeigt er gerne auf seinem Smartphone. Dafür das die Karawanserei auf seinem Grundstück steht, bekommt Armen vom Staat etwas Geld. Außerdem ist er jeden Tag vor Ort und passt auf die Karawanserei auf, wofür er und seine Frau noch einmal vom Armenischen Staat entlohnt werden. Sein Minimarket ist dann das dritte Standbein.
So fuhren wir heute Morgen weiter und hatten bisher nicht nur einen Fuß auf die Seidenstraße gesetzt, sondern mit dem quasi Eigentümer und seiner Frau einer 900 Jahre alten Karawanserei Kaffee  getrunken. Fehlt nur noch der Fliegende Teppich und Alibaba……

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Weiter ging es auf der Seidenstraße Richtung Süden. Unser nächstes Ziel war Jermuk, eine Kurstadt auf ca.2100m Höhe. Hier wird Armeniens bekanntestes Mineralwasser abgefüllt. Zu Sowietzeiten stark frequentiert, heute ziemlich ausgestorben. Ein Grund, die unmittelbare Nähe zu Aserbaidschan. Letzten September, bei erneuten Militärischen Auseinandersetzungen wurde Jermuk beschossen. Wir schauten uns einen Wasserfall an und wollten dann zu warmen Thermalquellen außerhalb von Jermuk. Diese erreichten wir aber nicht. Die 3,5Km dort hin waren zum allergrößten Teil nur von wirklich geländegängigen Fahrzeugen zu befahren. Bei dem letzten Abstieg ins Tal waren Felsabsätze von 40-60 cm zu bewältigen. Wir beschlossen die letzten 800m  zu Fuß zurückzulegen. Unten angekommen wurde der Baumbestand so eng das wir mit dem Duro dort nicht durchgekommen wären. Für die Rückfahrt nach Jermuk wählten wir eine andere Strecke. Diese Führte über eine Hochebene und war etwas einfacher zu fahren als der Hinweg. Jetzt stehen wir auf dieser Hochebene und werden hier die Nacht verbringen. Morgen geht es dann wieder Talabwärts zur Seidenstraße.

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21.07.2023
Wir wollten nicht den gleichen Weg von Jermuk zurück ins Tal fahren und suchten uns eine Piste quer durch die Berge. Kilometermäßig nur die Hälfte der normalen Rute. Zeitmäßig bestimmt das Dreifache. Es war eine wunderschöne Strecke größtenteils über 3 Hochebenen. Uns begegneten 2 Autos, wir passierten 1 Bagger und sahen einen Bautrupp welcher mit dem Bau einer Stromtrasse beschäftigt war.  Viehherden sahen wir erst kurz bevor die Piste wieder auf die Hauptrute führte. 

Auf der 2 Hochebene waren Frauen mit umgebundenen Säcken unterwegs und sammelten Kräuter. Sie wurden von einem kleinen Allradbus dort hingebracht. Wir genossen diese Fahrt über die Weiten der Hochebenen sehr und waren zum allergrößten Teil alleine unterwegs. Eigentlich ging diese Fahrt zu schnell vorüber.
Auf der Teerstraße (immerhin ein Teil der Seidenstraße) angekommen, fuhren wir weiter zu den Steinkreisen von Zohrakhar. Was es mit diesen Steinen auf sich hat ist nicht geklärt. Es gibt dazu mehrere Theorien. Auf jedenfall hat dieser Ort unserer Meinung nach schon etwas Besonderes.

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Danach ging es weiter, mal wieder zu einem Kloster. Kloster Vorotnavankh. Ein kleines Kloster. Für mich das bisher eindrücklichste und stimmungsvollste Kloster in Armenien. Überhaupt kein Touristenhighlight. Auch wir hatten diesen Besuch nicht geplant. Wir kamen einfach vorbei. Gelegen auf einem kleinen, steil abfallenden Felsenplateau, über der Schlucht des Vorotan. Eher ein Platz für eine Burg. Aber genau auf dieses Kloster schien das Plateau gewartet zu haben. Wir überlegten kurz auf dem Klostergelände zu übernachten, kamen uns dann aber wie Eindringlinge vor und beschlossen den Tag mit einem Bad in einer nahegelegenen Thermalquelle zu beenden. An der Thermalquelle noch nicht ganz angekommen planten wir schon wieder um. Die Quelle in ein Becken gefasst, war umzäunt. 2 Eisentore standen offen und vor dem Becken eine riesige Bauruine. Hinter der Ruine das Becken, welches schon Badegäste beherbergte. Am Beckenrand stand ein Gettoblaster, ein echter Gettoblaster!, welcher auch seinen Dienst tat. Daneben, aufgereit, etliche Flaschen Kaltgetränke. Also eine Stimmung wie im Freibad oder am Baggersee.
Nix mit entspannt im Thermalbecken liegen, die Bergkulisse genießen und berechtigterweise zu denken: Boa, geht es uns gut………Na ja, den Badenden ging es offensichtlich gut und das war ja auch schön!! Also verdrückten wir uns ein paar hundert Meter höher in die Berge um dort die Nacht zu verbringen.

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22.07.2023
Bei der gestrigen Suche nach einem Übernachtungsplatz, stießen wir unerwartet auf eine brandneue Passstraße. Diese Straße war in der Landkarte nur als gestrichelte Piste eingezeichnet. D.h. , fraglich ob für unseren Duro befahrbar. Da unser nächstes Ziel das Kloster Tatev war und die gestrichelte Piste dort hin führte musste auch die neue Straße dort hinführen. So fuhren wir über die niegelnagelneue Straße nach Tatev und waren nach 15 km anstatt nach ca. 80km am Ziel. Es herrschte nur ganz wenig Verkehr da die Straße noch nicht offiziell eröffnet war. Unterwegs wurden noch Fahrbahnmarkierungen aufgebracht. In Tatev angekommen war die Straße eigentlich durch ein großes Stahlrohr gesperrt. Dieses war aber soweit beiseite gezogen das gerade ein Auto durch passte. Und schwupp waren wir in Tatev.
Das Kloster Tatev ist, ein touristisches Highlight. Es hat einen sehr hohen Stellenwert in Armenien und war lange Zeit eine Universität  für Theologie und andere Fakultäten. Außerdem war hier eine zeitlang der Armenische Bischofssitz. Außer den sakralen Gebäuden, können hier noch Bibliothek, Küche, Speisesaal,Weinkeller und eine Ölmühle besichtigt werden. In der Peter und Paul Kirche konnte man sich segnen lassen, was auch rege in Anspruch genommen wurde. 

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Wir schauten dieser Handlung eine Weile zu und plötzlich standen Hans-Georg und Andrea neben uns. Wir trafen die Beiden am ersten Tag unserer Einreise nach Armenien auf einem Campingplatz. Vor ein paar Tagen als wir vom Sevan See weiter Richtung Süden fuhren kamen sie uns entgegen und entschwanden Richtung Norden. Die Beiden nun in Tatev wiederzusehen war schon eine Überraschung. Die Beiden waren schneller unterwegs als wir und hatten auch in Tatev nicht viel Zeit. Sie wollten noch mit der Seilbahn fahren, einen Kaffee trinken und dann weiter. Wir beschlossen die Seilbahnfahrt gemeinsam zu machen. Zum Kloster führt eine 5,7km Lange Seilbahn über die spektakuläre Schlucht des Vorotan. Nach dem Einsteigen wies ein Schild auf den Hersteller der Seilbahn hin: Firma Doppelmayr aus Österreich. Und sofort mussten wir an Heinrich und Ulrike aus Österreich denken. Die beiden verbrachten mit uns den legendären Tag an der Schlammsule auf dem Tsagar Pass in Georgien. Wir trafen sie später in Tiflis wieder und verbrachten noch 2 weitere gemeinsame Tage am Tifliser Meer. Sie sind auf dem Weg in die Mongolei und momentan in Tadschikistan. Heinrich hat für die Firma Doppelmayr gearbeitet.

Aber zurück zur Seilbahn. Die Fahrt ging los und nach ca. 200m …..Stillstand.
Eine gefühlte Ewigkeit hingen wir da rum. Es war verdammt windig und die Gondel schaukelte so vor sich hin. Die Gondelbegleiterin drückte ziemlich nervös, wie Andrea meinte, auf die Knöpfe des Bedienpanels. Außer 2 kurzen Ruckern tat sich nichts. Angenehm war das Ganze nicht. Aber irgendwann ging die Fahrt dann doch weiter. Drüben angekommen wurde ein Kaffee getrunken und es ging wieder zurück zum Kloster. Die Rückfahrt verlief problemlos und nun konnten wir den tollen Ausblick genießen. 

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Hier trennten wir uns wieder von Andrea und Hans-Georg. Jeder zog seines Weges. Wir weiter gen Süden, die beiden anderen gen Norden. Unser nächstes Ziel war das Kloster Noravankh und sollte unser Südöstlichster Punkt auf dieser Reise werden. Doch daraus wurde nichts. Der Grund : Die von uns ausgewählte Straße führt unmittelbar an der Aserbaidschanischen Grenze entlang und ist wegen der mal wieder sehr angespannten Lage beiderseits gesperrt. Wir hätten nun wieder zurück nach Tatev fahren können, von wo eine andere Straße nach Noravankh führt. Dazu hatten wir keine Lust, weil sich auf dieser Straße ein Iranischer LKW (meistens Tankwagen) nach dem anderen die Pässe rauf und runter quält. Ein kurzes Stück  nach Tatev, waren wir auf dieser Straße unterwegs. Die Straße ist total kaputtgefahren. In den engen Kurven ist der Teerbelag komplett wegradierten und tiefe Spurrillen sind in den Schotter gefahren. Diese Straße ist momentan die einzige Verbindung zum Iran und total überfordert.


23.07.2023
Wir verbrachten die Nacht auf einer kleinen Anhöhe mit Blick auf die Stadt Goris.
Morgens nach der Abfahrt hielten wir an einem Müllcontainer um den Müll zu entsorgen. Clarissa bemerkte anhand einer kleinen Öllache das unser Duro inkontinent war. Unter dem Automatikgetriebe sammelte sich eine kleine Öllache auf dem Asphalt. Am Ölfilter des Automatikgetriebes lief Öl herunter. Der Ölfilter hatte sich gelockert. Und zwar ziemlich viel…!!
Glück gehabt. Filter angezogenen. Nun ist er wieder dicht. Nix tropft mehr.
Von nun an führte unser Weg wieder Richtung Norden zurück zum Sevan See.
Doch zuvor steuerten wir für 2 Tage einen Campingplatz an, um abzuhängen und Wäsche zu waschen. Diese beiden Tage waren die bisher wärmsten auf unserer gesamten Reise. Bisher waren die Temperaturen immer erträglich gewesen und vor allem hat es Nachts immer abgekühlt.
Wir sind Abends oft im Duro weil es uns draußen zu kühl war.
Die beiden Tage auf dem Campingplatz war unsere Strategie möglichst wenig bewegen und wenn dann nur im Schatten. Ich dämmerte so vor mich hin als ein Krebs, ca. Handtellergroß, ohne zu Grüßen an meinem Stuhl vorbeispazierte. Sonnenstich, war meine  Selbstdiagnose. Erwähnenswert ist, daß das nächste Gewässer, ein Fluss bestimmt 2km entfernt war.  Ich wartete nun darauf, daß ein Seepferdchen hinterher galoppiert kam. Als dies nicht geschah, machte ich schnell noch ein paar Fotos von dem Krebs bevor dieser entschwand. Zu meinem Erstaunen ist auf Selbigen nicht nur trockener steiniger Boden zu sehen, sondern auch, in der Tat ein Krebs.


25.07.2023  (Heute ist Jürgens Geburtstag!)
Wir starteten mit dem Ziel Sevan See und der Hoffnung auf kühlere Temperaturen.
Zunächst besuchten wir noch das Kloster Noravankh. Mit diesem Namen gibt es 3 Klöster in Armenien. 
Dieses Noravankh liegt ganz einsam 8 km in einem Talende, wie sollte es anders sein, auf einem Felsplateau. Kein Dorf, kein Haus weit und breit….

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Gegen Mittag machten wir uns an den Aufstieg zum Selimpass. Wir fuhren von ca.1100m auf 2300m Höhe. Es wurde merklich kühler und Gewitterwolken ballten sich in den Bergen. Ein paar Haarnadelkurven unterhalb der Karawanserei kam uns Armen mit seiner Frau in Ihrem 50 Jahre alten Lada / Minimarket mit überhoch beladenem Dachgepäckträger entgegen. Sie waren wohl auf der Flucht vor dem Unwetter. Diesmal gab es keinen Kaffee, sie wollten bestimmt trocken zu Hause ankommen. Ein paar Kurven später, wir hatten die Karawanserei passiert und die Passhöhe erreicht, fing es an zu regnen und kurz danach wurde aus dem Regen Hagel. Es waren zum Glück keine sehr großen Hagelkörner aber so viele das wir am Straßenrand stehen blieben und warteten bis alles vorbei war. Am Sevan See angekommen suchten wir uns einen Übernachtungsplatz. Gerade angekommen zeigte ein neues Gewitter was es so kann. Hagelkörner hatte dieses nicht in seinem Repertoire aber dafür Regen und Sturm ohne Ende. Zum Glück haben wir einen Durchgang nach hinten. Sonst hätten wir lange in der Fahrerkabine ausharren müssen, oder hätten eine Komplettdusche beim Aussteigen bekommen.

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28.07.2023
Am nächsten Tag fuhren wir noch ein Stück weiter und stehen nun, in einem Kiefernwäldchen nahe des Sevan See`s. Gestern habe ich unter dem Duro gelegen- sorry Brösel, mal wieder mit Deutz Overall- und die Bremsbeläge an der 2. Achse getauscht.Die Vorderachse hat das auch nötig. Dafür müssen wir aber noch einen Satz besorgen. Wir sind mit neuen Bremsbelägen zu unserer Reise aufgebrochen und nach 10000km sind sie an der Verschleißgrenze.  Grund sind natürlich die vielen Bergregionen welche wir bereisen.

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Heute haben wir eine kleine Wanderung in den Krater eines erloschenen Vulkans gemacht. Der Krater ist nicht so tief und spektakulär, aber.. wir waren in einem Vulkankrater. Anschließend haben wir dann noch einen Berg erklommen und eine kleine Kirche samt altem Friedhof mit Kreuzsteinen und wunderbarem Ausblick genossen. Und gerade recht zur Mittagszeit wurden wir von 4 netten, älteren Herren auf dem Friedhof zu Wodka, Wasser und Fladenbrot mit Käse und Wurst eingeladen. Mal wieder ein Erlebnis.

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31.07.2023
Wir machten uns am Samstag wieder auf den Weg. Bremsbeläge für die Vorderachse kaufen, Geld wechseln, Sevan Kloster besichtigen und dann Richtung Jerewan. Das waren unsere Vorhaben an diesem Tag. Für die Bremsbeläge fuhren wir in der Stadt Sevan eine Autowerkstatt mit Ersatzteilhandel an. Die Adresse hatten wir aus dem Internet. Obwohl der Chef meinte er hätte die Beläge im Lager fand er doch keine. Nach einem kurzen Telefonat, nannte er mir den Preis für einen Satz Beläge, setzte sich ins Auto und ließ mir von einem Englisch sprechenden Mitarbeiter ausrichten das er in 10 min. wieder zurück wäre. Nach ca. 10 min. kam er wieder vorgefahren und überreichte mir die Bremsbeläge. Was für ein Service!!!
Zum Geldwechseln und Einkaufen fuhren wir zu einem großen Einkaufscenter mit Gastronomie. Hier hatten wir vor 14 Tagen, auf dem Weg in den Süden, schon einmal Geld gewechselt. Doch an diesem Tag war dort die Hölle los. Es war Samstag und viele Armenier auf dem Weg zu einem Kurzurlaub am Sevan See. Und alle, so schien es, kauften noch etwas in diesem Supermarkt ein. Kein einziger Parkplatz war mehr frei und es ging mehr als chaotisch zu. Wir änderten unseren Plan und beschlossen hier am Sevan See das Wochenende zu verbringen und danach Kloster Sevan und Jerewan zu besuchen. Also suchten wir nocheinmal den Stellplatz am Ostufer auf, an welchem wir ebenfalls schon einmal standen. Es ist wirklich ein Traum am Sevan See zu verweilen. Durch die Höhe ist es auch im Hochsommer absolut erträglich. Es weht immer ein kühlendes Lüftchen. Der See ist eingerahmt von hohen Bergen und einfach ein Naturspektakel.
Nur die Wassertemperaturen könnten ein paar Grad wärmer sein. Selbst im Hochsommer ist das Wasser noch sehr sehr frisch!!
Die Bremsbeläge habe ich unter fluchen und stöhnen ausgetauscht. Wir mussten die Beläge in der Dicke ca 2,5mm dünner schleifen, damit ich sie einbauen konnte.
Warum ??,  keine Ahnung…..
Und dann habe ich mir noch die Wampe verbrannt. Clarissa meinte ich könnte ruhig mal meinen Bauch in die Sonne halten. Habe ich dann auch gemacht. Nicht das mein weißer Bauch die nächsten 3 Monate Gesprächsthema Nr. 1 sein wird. Gar nicht mal so lange, ne Stunde oder so hatte ich Ihn entblößt….
Offensichtlich aber zu lange.
Vielleicht hat die Sonne  beim Anblick meiner weißen Wölbung aber auch so herzlich gelacht, das sie etwas mehr gestrahlt hat als gewöhnlich.
Momentan fühlt sich ein Hemd, wie Schleifpapier auf der Haut an.
Die vergangene Nacht war ich nicht so wirklich von sanftem Schlafe eingehüllt.
Da ich mir momentan nicht so richtig einen Sicherheitsgurt auf meinem ach so empfindlichen Oberkörper vorstellen kann genießen wir diesen schönen Stellplatz noch einen weiteren Tag.
Heute Morgen waren wir kurz im See schwimmen. Im ersten Moment hat das kühle bis kalte Wasser richtig weh getan auf dem Sonnenbrand.
Das erinnerte mich an einen Spruch von meiner Mutter: Wer schön sein will muß leiden !?!?!?
Mal sehen wie es Morgen so ist.

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02.08.2023
Nach einem weiteren Tag am Sevan See  sind wir heute Morgen dann nach Yerevan gefahren. Unser Standplatz liegt oberhalb des Stadtzentrums von Yerevan, gleich hinter  Mutter Armenien. Einer riesigen Statue zu Ehren des Sieges über den Faschismus im 2. Weltkrieg. Hinunter in die Stadt gelangt man über die sogenannte Kascade von Yerevan. Dies ist eine gigantische Treppenanlage aus hellem Travertin 50m Breit. Auf den 5 Treppenabsätzen sind Hallen integriert für Ausstellungen und ein Museum. Am oberen Ende der Kaskaden steht eine wieder einmal riesige Säule welche an die Christianisierung Armeniens erinnern soll. Baubeginn war 1971. Fertig ist der Bau noch nicht. Die letzte Etage fehlt noch. Dort klafft eine riesige Baugrube mit angefangenen Fundamenten. 300 Höhenmeter erklimmt man bis zur Plattform mit der Säule. Bei heißem Sommerwetter eine schweißtreibende Betätigung. Wir haben dann am Nachmittag den Abstieg gewagt und uns einen Teil der Stadt angeschaut. Abends gegen 21Uhr erreichten wir wieder den Duro und auf dem Parkplatz auf welchem wir bei unserer Ankunft noch alleine standen herrschte Hochbetrieb. Der Grund war ein Freizeitpark neben Mutter Armenien. Nachmittags auf dem Weg ins Stadtzentrum durchquerten wir diesen Park. Da herrschte noch Stille und gähnende Leere.
Und hinter dem Duro, eine kleine Müllhalde, welche während unserer Abwesenheit dort gewachsen ist. Ein leider fast überall anwesendes Problem in Armenien.
Auf dem Parkplatz sorgte nun ein kleiner Mann mit gelber Weste für Ordnung. Unentwegt rief er Ari, ari, ari. Das heißt komm, komm… Wir waren ziemlich geschafft und auch die Blase an Clarissas linkem Fuß welche sie aus der Unterstadt mit nach oben getragen hatte schien müde zu sein. Also gingen wir früh zu Bett. Das armenische Schlaflied ari, ari, ari und das übers Bett gleitende Scheinwerferlicht der Autos ließ uns schnell einschlafen.

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03.08.2023
Am nächsten Morgen schickte mich Clarissa alleine nach unten in die Stadt. Sie meinte, das sie noch etwas gemeinsame, ruhige Zeit mit Ihrer Fußblase verbringen wollte. Also stieg ich alleine die Kaskade hinab. Ich besuchte das Museum für Armenische Geschichte, saß lange am Platz der Republik, vor dem Kino Moskau und vor dem Gebäude von Radio Yerevan. Ich ging und saß….
An Bänken mangelt es wahrlich nicht in Yerevan. Und Selbige werden gerne besessen.
Nicht nur in den vielen kleinen Parks, auch einfach so, entlang der Gehwege. Oft unter Bäumen. Es machte mir sehr viel Freude die Stadt gehend und sitzend zu erkunden.
Jerevan ist, zumindestens im Stadtzentrum, eine sehr moderne, herausgeputzte Stadt. Es gibt nur noch wenige wirklich alte Gebäude zu sehen. Außerhalb des Zentrums  natürlich noch viel aus Sowietzeiten.  Als ich am späten Nachmittag am Duro ankam, lagen Clarissa und Ihre Fußblase, recht entspannt auf der Bank und waren am lesen. Die Zwei schienen sich wohl zu fühlen in Ihrer Blase.
Plötzlich erklang eine Stimme von draußen und Ari, Ari stand vor der Türe. Er trat wohl gerade seinen Dienst an, um das drohende Chaos durch die herannahende Blechlawine zu verhindern.
Gestenreich erklärte er mir seine hiesige Tätigkeit und meinte wir seien mit den Parkgebühren im Rückstand. Gestern und heute, das macht zusammen 1000 Drum. Das sind 2,35 € für 2 Tage. Kann man grundsätzlich nicht meckern. Nur war dieser Parkplatz nicht gebührenpflichtig. Das gab ich ihm nun zu verstehen und ari, ari diskutierte auch nicht lange. Hier in Armenien gibt es öfter solche Einweiser mit gelben Warnwesten die in der Hoffnung auf ein Trinkgeld versuchen Ordnung auf dem Parkplatz zu halten. Manche Autofahrer geben bei der Abfahrt dann ein Trinkgeld, andere ignorieren die Bemühungen des Einweisers.
Ari, Ari machte seinen selbsterwählten Job wirklich gut. Ohne Ihn hätten wahrscheinlich noch nicht einmal die hälfte Autos Platz gefunden. Der Parkplatz war kein angelegter, geschweige denn ein mit Markierungen versehener Platz, sondern einfach eine Freifläche. Was Autofahren anbelangt sind die Armenier in allen Disziplinen: Ampeln, Schilder, Überholen, Geschwindigkeitsbegrenzung, Beladung und Transport sowie Parken völlig schmerzfrei. Überholt wird am liebsten vor Kurven, am Zebrastreifen oder an Bodenschwellen. Wenn der andere Verkehrsteilnehmer vor einem Zebrastreifen oder vor den in Städten zu Hauf vorhandenen Bodenschwellen abbremst, wird diese Schwäche sofort ausgenutzt und der Schnellere zieht vorbei.  Auf geraden Strecken wird der Entgegenkommende so lange in Sicherheit gewogen, bis ein überholen eigentlich nicht mehr möglich ist, aber, irgendwie haben auch meistens drei Autos nebeneinander Platz auf der Straße. Und wenn nicht, hat der Überholende auf jeden Fall Vorfahrt. Alle anderen müssen bremsen. Ein weiterer Beweis des fahrerischen Könnens ist es LKW´s rechts zu überholen. Und zwar in ganz engen Kurven. Wenn LKW´s auf die Gegenfahrbahn  müssen um die Kurve in einem Schwung zu nehmen ohne zurücksetzten zu müssen. Genau in diesem Moment überholt der wahre Könner auf der Innenseite. Um dieses Überholmanöver zu ermöglichen bremst so mancher LKW Fahrer auch gerne ab.
Auf den hier noch recht häufig vorhandenen Dachgepäckträgern wird alles transportiert was ohne Kranwagen aufgeladen werden kann und die Gesamthöhe von 4,00m nicht überschreitet. Ganz beliebt als Dachboxen sind Bananenkartons. Der Könner kann diese in 3 Etagen auf dem Gepäckträger transportieren. Da Spanngurte in Armenien offensichtlich verboten sind wird die Ladung am liebsten mit kräftiger Paketschnur   gesichert. Nur bei schweren Lasten, wie ein 2,5m Sofa quer auf dem Auto wird die Paketschnur dann auch mal deutlich  kräftiger.
Geparkt wird nur ganz selten. Meistens wird das Auto stehen gelassen. Genau dort wo man gerade etwas zu erledigen hat. 2 oder 3 Parkplätze zu blockieren: kein Thema. Einen anderen einzuparken: der muß sich doch nicht ausgerechnet dort hinstellen, wo ich jetzt Parke. Kein Parkplatz mehr frei: wo ist das Problem. Die Straße ist doch breit genug. Dann gibt es halt eine Fahrspur weniger.
Zurück zu ari, ari. Er hatte seinen Parkplatz im Griff. Recht ruhig und zurückhaltend sorgte er dafür das es möglichst reibungslos in seinem Parkrevier zuging. Nicht alle Parker honorierten das, aber der Ein- oder Andere steckte Ari, Ari beim fortfahren etwas zu. Selbiges habe ich dann vorm Schlafen gehen auch gemacht. Clarissa und ich saßen noch vorm Duro und schauten dem Treiben etwas zu. Auf jedenfall schöner als ein Fernsehabend. Und dann im Bett wieder das armenische Schlaflied: ari, ari, ari…….

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12.08.2023
So, dann kann es ja weitergehen.
Wir sind zwar auf Reisen und nicht im Urlaub, aber irgendwie hatte ich nicht so richtig Lust zu schreiben und reichte bei Clarissa Urlaub ein.
Von Yerevan aus fuhren wir zur Azat-Schlucht und bezogen für vier Nächte , Quartier auf einem Campingplatz. Mit den Rädern besuchten wir zuerst das Kloster Geghard. Dieses wurde in den Felsen geschlagen. Baubeginn war Anfang  des 4. Jh. Mich hat das total beeindruckt. Handwerklich und architektonisch eine Meisterleistung. Hut ab!!!! Erst im 13.Jh. wurden dann zusätzlich Gebäude vor die Felsen gemauert. Kloster Geghard ist eines der am meist besuchten Klöster in Armenien. Rund um das Kloster reiht sich ein Picknickplatz an den anderen. Im Kloster kann man auch sein Grillgut, bzw. die Tiere welche dann geschlachtet und gegrillt werden, segnen lassen. Man stelle sich das mal in Deutschland vor…. Auch auf den Friedhöfen geht es etwas ungezwungener und weltlicher zu als bei uns. Auf jedem Friedhof gibt es überdachte Sitzgelegenheiten. Diese sind nicht ausschließlich dazu da um in Ruhe Andacht zu halten. Hier wird mit den Toten zusammen gegessen und getrunken. Wie in unserem Falle wird dann auch mal über den Friedhof gerufen und gewunken bis die  Touris merken das Sie gemeint sind. Und dann gibt es Morgens um 11:30 Uhr Wodka und Fladenbrot auf dem Friedhof. Stelle mir gerade vor wie sich ´ne Gruppe hinterbliebener mit ´ner Kiste Bier in Deutschland auf dem Friedhof triff…
Könnte man bestimmt auch gute Fernsehwerbung daraus machen.
Als wir das Kloster besuchten, rückte eine Schar jugendlicher,  einer Internationalen Organisation an, und sammelte den Unrat rund um das Kloster ein. Was Müll anbelangt, ist den Armeniern offensichtlich nichts heilig. Scheinbar registrieren sie den Müll auf den Picknickplätzen gar nicht und viele hinterlassen dann zusätzlich noch Ihren eigenen Müll. Vielleicht bringt das ja auch Glück…. Oder man darf die Picknick Utensilien welche mit einem gesegneten Tier in Berührung kamen nicht entsorgen…….Ich weiß es nicht. Es ist aber sooo schade!!!!!!!!!

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Abends waren wir dann noch im Dorf bei „Mac PET“ Essen, eigentlich ein Bringservice. Es gibt aber die Möglichkeit hinter dem Grill in einem Garten das Bestellte zu genießen. Dazu sind mehrere Sitzgelegenheiten und 3 kleine Hütten verteilt. Eine dieser Hütten besteht aus einem Dach und hat Wände aus PET Flaschen. Die PET Flaschen sind einfach auf dünne Stahlseile aufgefädelt. Irgendwie GUT. Besser als die vielen, vielen PET Flaschen in der Natur. Das Essen war gut. Serviert wurde mit Plastikgeschirr - nicht so gut.

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Die nächste Fahrradtour ging zum Sonnentempel von Garni. 66 n.Chr. im Hellenistischen Stil erbaut. Solch einen Tempel in Armenien zu sehen ist schon sehr verwunderlich und besonders.
Zur Entstehung und dem Zweck dieses Bauwerkes gibt es zahlreiche Vermutungen und Theorien…

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Nach vier entspannten Tagen ohne den Duro zu bewegen ging es dann weiter Richtung Westen an die armenisch  - türkische Grenze, in die armenische Region Ararat. Der Berg Ararat ist Armeniens heiliger Berg und liegt heute auf türkischem Staatsgebiet. Wir haben den Ararat von Yerevan aus gesehen. Für ein paar Stunden ohne Wolken um den Gipfel. Vom Kloster Chor Virap, welches ca. 100 m vom Armenischen Grenzzaun entfernt liegt haben wir Ihn nur ganz schwach im Dunst gesehen. Bei klarer Sicht ist das Kloster vor dem Heiligen Berg, ein typisches Postkarten Motiv.

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Die Türkei ist unser nächstes Reiseziel. Da es aber zwischen Armenien und der Türkei keine Grenzübergänge gibt, müssen wir noch einmal einen Schlenker durch Georgien machen. Wir legten unsere Route entlang der armenisch-türkischen Grenze fest und fuhren los. Irgendwann, die Straße wurde schlechter bis sie grottenschlecht war, standen wir vor einer Zaunanlage mit verschlossenem Tor, einem klimatisierten Wachcontainer und als derzeitige Bewohner zwei nette junge Soldaten mit umgehängten Maschinenpistolen. Wir hielten an. Eine andere Wahl gab es auch nicht wirklich. Ich stieg aus, bewaffnete mich meinerseits mit der Landkarte und ging auf die beiden Jungs hinter dem Zaun zu. Einer war schon am telefonieren.  Als ich am Zaun ankam hielt er mir sein Handy entgegen. Ich war etwas verdutzt und fing an auf Englisch zu reden. Sagte wo wir hin wollten, fragte ob die Straße gesperrt sei - was für ´ne blöde Frage, war ja offensichtlich - und meinte wir würden dann einfach umdrehen. Nein wir sollten 10 min. warten, dann kommt mein Offizier, so die Antwort aus dem Telefon. Nach ein paar Minuten kam dann der Offizier jenseits des Zaunes über eine Piste angefahren. Eine Piste, total Eben und Schlagloch frei.
Vielleicht dürfen wir ja doch weiter Fahren und diesen Traum von Piste benutzen, anstatt über diese geteerte  Schlaglochstraße zurück zu müssen. Total unrealistisch dieser Gedanke. Der Offizier, sehr nett, sagte uns natürlich das wir umdrehen müssten. Dies sei Sperrgebiet. Aber er müsse erst noch mit seinem Vorgesetzten telefonieren. Na Prima, die ganze Befehlskette aufwärts. Keiner will oder darf Entscheidungen treffen. Vielleicht werden wir zum guten Schluß ja noch vom armenischen Verteidigungsminister zum Abendessen eingeladen. Aber so weit kam es dann doch nicht. Der nette Offizier gab die Daten unserer Reisepässe durch, wofür er sich entschuldigte. Er müsse das wegen seinem Vorgesetzten tun. Händeschütteln, gute Reise und der Traum von einer guten Piste entschwand im Rückspiegel. Im Schritttempo eilten wir der nächsten Hauptstraße entgegen, um dann doch noch nach Georgien zu gelangen.
Die letzte Nacht in Armenien verbrachten wir in 2000 m Höhe, mit Blick in die armenisch - türkische Grenzregion. Auch der Ararat war mit von der Partie. Leider war die Sicht alles andere als gut. Trübe und diesig lag der Ararat und die Ebene vor uns. Vielleicht haben wir auf türkischer Seite ja bessere Sicht.

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Der armenisch - georgische Grenzübertritt, verlief reibungslos und schnell. 30 min. für beide Grenzen. Und alle Grenzerinnen gut drauf. Mit einem Lachen in Armenien verabschiedet, mit einem Lachen in Georgien begrüßt.
Die ersten beiden Tage in Georgien verbrachten wir am Paravani See auf 2000m Höhe. Nicht weit von unserem Standplatz eine große Möwenkolonie. Und viele kleine Enten. Jeden Tag flogen Gruppen von Pelikanen vorüber.  Am 2.Tag haben wir den See mit den Rädern umrundet.
Eine tolle Tour, welche durch etwas mehr Geländetauglichkeit  unserer Räder nicht ganz so anstrengend gewesen wäre.

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Der Plan war nun, den südlichsten Grenzübergang zwischen Georgien und der Türkei zu überqueren um dann am Cildir See unsere Anatolische Seereise zu beginnen. Aber wie einst der schon so oft zitierte Jason mit seinen Argonauten eine Aufgabe zu erfüllen hatte, nämlich die, mit dem goldenen Flies, so träumte Clarissa von dem goldenen Besen. Gesehen hatten wir diesen schon kurz nach unserer Ankunft in Georgien. Auf dem Weg die Schwarzmeerküste entlang nach Norden wurde er von Händlern entlang der Straße angeboten. Damals überlegte Clarissa schon ein solches Georgisches Kleinod zu erstehen, verwarf diesen Gedanken aber wieder. Nun ist die Gewissheit gereift, das wir ohne diesen Goldenen Besen das Land Kolchis nicht verlassen können. Also ziehen wir auf alten Handelswegen weiter nach Westen, auf der Suche nach dem goldenen Besen. Ob die Götter Clarissa und den Duronauten wohlgesonnen sind….. na ja das wissen wohl nur die Götter.











 
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